Grasse: Welthauptstadt des Parfüms

Das wunderschöne Grasse ist eine französische Stadt im Hinterland der Côte d’Azur und liegt nur 20 Kilometer von der Filmhochburg Cannes entfernt. Bis heute gilt Grasse als die Welthauptstadt des Parfüms und besitzt eine reiche Geschichte, die sich zu entdecken lohnt. Die Stadt diente ebenfalls der Handlungsort des berühmten Romans Das Parfum von Patrick Süskind. Lernen Sie jetzt die Wiege der modernen Parfümindustrie besser kennen!

Grasse Panorama

Welthauptstadt der Düfte

Auf den ersten Blick macht das idyllische Städtchen Grasse mit seinen vielen historischen Gebäuden und der mittelalterlichen Altstadt einen fast verschlafenen Eindruck. Aber der Schein trügt! Bis heute ist die französische Kleinstadt einer der wichtigsten Standorte der Parfümherstellung und rund ein Zehntel der Bevölkerung arbeitet in der Parfümindustrie. Noch immer befinden sich in Grasse viele traditionelle Parfümerien und Manufakturen, in denen Parfüm und Duftstoffe für Kosmetik, Reinigungsmittel und Lebensmittel hergestellt werden. Früher war die Stadt von riesigen Blumenplantagen umgeben, auf denen unter anderem Rosen und Jasmin angebaut wurden. Heute stammen die meisten Rohstoffe aus Marokko, Indien und der Türkei. Jährlich werden rund 10.000 Tonnen Blüten in Grasse verarbeitet und nach ihrer Verfeinerung zu edlen Duftstoffen an Parfümhersteller in aller Welt verschickt.
Bei einem Besuch in Grasse darf ein Ausflug ins kostenpflichtige Musée internationale de la Parfumerie nicht fehlen. Das internationale Parfümmuseum entführt Sie auf mehreren Etagen in die Geschichte der Parfümerie. Dazu werden einige typische Duftpflanzen und traditionelle Geräte zur Duftstoffgewinnung ausgestellt sowie eine große Sammlung von Parfüms und Flakons. Die Parfümhersteller Fragonard, Galimard, Molinard, Fleuron de Grasse und Guy Bouchara sind in Grasse beheimatet und bieten kostenlose Führungen durch ihre historischen Parfümerien an. In einigen dieser Parfümerien können Sie sogar genau wie bei G-Cosmetic Ihr eigenes Parfüm kreieren!

Anfänge der Parfümindustrie

Bereits vor dem Wandel zur Duftmetropole war Grasse für sein Gerberhandwerk bekannt. Allerdings besaßen die Lederwaren durch die verwendeten Gerbstoffe einen äußerst unangenehmen Eigengeruch. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam es daher in Mode, Lederhandschuhe zu parfümieren, um den Geruch zu überdecken. Zu Beginn erledigten die Gerber diese Aufgabe noch selbst. Als jedoch die Nachfrage nach duftenden Handschuhen immer weiter stieg, entstand die Parfümerie als eigenständiges Gewerbe.
Grasse bot durch sein angenehmes Klima ideale Bedingungen für den Anbau wohlreichender Pflanzen wie Lavendel, Orangenblüte, Nelken, Rose und Jasmin. Rings um die damalige Stadtrepublik entstanden weitläufige Felder voller duftender Blüten und brachten Grasse den Beinamen „Duftende Stadt“ ein. Um die Rohstoffe noch effektiver nutzen zu können, wurden in der Umgebung mehrere Fabriken gebaut, in denen die kostbaren Blüten direkt nach der Ernte zu Duftessenzen verarbeitet wurden.
Der Ruf von Grasse eilte bis an den königlichen Hof von Versailles. Duftende Puder, Salben und Parfüms fanden unter den wohlhabenden Bewohnern von Paris reißenden Absatz. Die Körperpflege mit Wasser galt zur damaligen Zeit als ungesund. Daher versuchten die Menschen, den eigenen Gestank mit möglichst intensiven Düften zu überdecken. König Ludwig der XIV. erließ sogar ein Gesetz, das die Verwendung von Parfüm vorschrieb. Wer es sich als Adliger leisten konnte, wechselte beinahe täglich das Parfüm. Dadurch wurde Grasse zu einer florierenden Metropole, die Menschen aus ganz Europa anzog, um mit den örtlichen Parfümerien zu handeln oder selbst die Kunst der Parfümherstellung zu erlernen.

Historische Parfümerie

Revolutionäre Duftstoffgewinnung

Die Parfümeure von Grasse waren auf die Herstellung kostbarer Blütenessenzen spezialisiert, da man die Rohstoffe in der Umgebung in großen Mengen anbauen konnte. In den Anfängen der Parfümerie wurden Riechstoffe vor allem durch Destillation gewonnen. Steigende Nachfrage und der Wunsch nach hochwertigeren Duftessenzen machte es jedoch erforderlich, neue Methoden zur Gewinnung von Duftstoffen zu entwickeln. Eine davon ist die Enfleurage à froid, die bis ins 19. Jahrhundert perfektioniert wurde. Die sehr sanfte Technik eignet sich zur Verarbeitung besonders empfindlicher Blüten wie Jasmin, Tuberose, Veilchen oder Flieder.
Bei der Enfleurage wurde zunächst eine Glasplatte mit Fett bestrichen – meistens verwendete man dafür geruchloses Rinder- oder Schweineschmalz. Anschließend wurden die Blüten ins Fett gedrückt, um dort ihre Duftstoffe abzugeben. Über einen Zeitraum von circa drei Monaten tauschte man die Blüten regelmäßig aus, bis das Fett keine Duftstoffe mehr aufnehmen konnte. Mithilfe von Alkohol wurden die Duftessenzen aus dem gesättigten Fett gelöst und konnten für die Parfümherstellung verwendet werden. Manchmal wurde das duftende Schmalz auch direkt als Pomade und als Zutat für pflegende Salben verkauft.
Die kostbaren Duftessenzen, die mit diesem Verfahren gewonnen wurden, besaßen eine nie zuvor erreichte Reinheit und Qualität. Grasse gelangte mit der Entwicklung dieser Methode zu noch größerem Ruhm und verwendet sie bis heute. In all der Zeit hat sich die Anwendung der Enfleurage dabei kaum verändert. Die Methode ist jedoch sehr aufwändig und kostspielig, daher wird sie in der modernen Parfümherstellung kaum noch genutzt. Grasse war Begründer und Vorreiter der Parfümerie und hat seine altbewährten Traditionen dennoch nie vergessen. Die Welthauptstadt der Düfte hat die Industrie zur Kunst erhoben.