Methoden zur Gewinnung von Duftstoffen

Seit über 5000 Jahren ist es uns möglich, Duftstoffe aus Blüten und anderen Pflanzenteilen zu extrahieren. Im Lauf der Zeit wurden immer effektivere Verfahren entwickelt, um ätherische Öle für die Parfümherstellung zu gewinnen. Die duftenden Essenzen stammen meist aus Blüten, Früchten oder Blättern. Die moderne Parfümerie setzt aber auch immer mehr auf künstliche Duftstoffe. Vier Methoden zur Duftstoffgewinnung haben sich besonders bewährt. Erfahren Sie jetzt mehr über den Ursprung unserer kostbaren Duftnoten.

Destillation

Destillation

Das Destillationsverfahren wurde bereits in der Antike angewendet und hat sich bis heute in seinem Prinzip nicht verändert. Bei der Destillation werden ausgesuchte Blüten zusammen mit Wasser in einen Kessel gegeben und anschließend erhitzt. Durch den Wasserdampf lösen sich die Duftstoffe und setzen sich als Kondensat am Boden auf. Mithilfe dieser Methode konnten erstmals reine ätherische Öle wie Lavendelöl oder Rosenöl gewonnen werden. Die Qualität der Duftessenzen ist dabei stark von der verwendeten Ausrüstung und der Qualität der Rohstoffe abhängig. Einige Blüten müssen direkt nach dem Pflücken destilliert werden, damit ihre Duftessenzen nicht verdunsten – andere dagegen können zuvor getrocknet werden.
Eines der ältesten Destilliergeräte bestand nur aus einem Gefäß mit Deckel, der mit Schwämmen ausgekleidet wurde. Beim Erhitzen des Destillats wurde der Wasserdampf von den Schwämmen aufgenommen, die zum Sammeln der Duftessenzen einfach nur ausgepresst werden mussten. Im Lauf der Jahrhunderte wurde diese Methode zur Duftstoffgewinnung weiterentwickelt. Anstelle von Schwämmen wurde ein Destillationsrohr verwendet und das Kondensat in ein Behältnis aus Keramik oder Metall weitergeleitet. Nachdem das Wasser von den Riechstoffen getrennt wurde, erhielt man die reinen Duftessenzen.

Extraktion

Extraktion

Die Methode der Extraktion wird nicht nur in der Parfümherstellung genutzt, sondern findet auch in der Pharmazie und der Lebensmittelindustrie viele Anwendungsmöglichkeiten. Es handelt sich um ein physikalisches Trennverfahren, bei dem Rohstoffe mit einem Lösungsmittel behandelt werden, um gewünschte Bestandteile zu extrahieren. Dabei kann es sich sogar um einfaches erhitztes Wasser handeln – das tägliche Kaffeekochen ist ein typisches Beispiel für Extraktion. In der Vergangenheit wurden oft giftige Lösungsmittel wie Benzol eingesetzt. Inzwischen verwendet man Wasserdampf, Alkohole, flüssiges Kohlendioxid oder Hexan. Welches Lösungsmittel eingesetzt wird, hängt von der Art und Empfindlichkeit der verwendeten Rohstoffe ab.
Bei der Duftstoffgewinnung werden Blüten oder andere Pflanzenteile in einen Extraktionsbehälter gegeben und mit dem warmen Lösungsmittel übergossen. Eine chemische Reaktion sorgt dafür, dass sich die ätherischen Öle lösen und in das Lösungsmittel übergehen. Dieser Vorgang wird mehrmals – zum Teil mit frischen Rohstoffen – wiederholt, bis das Lösungsmittel gesättigt ist und keine weiteren Duftessenzen aufnehmen kann. Mithilfe einer Destillation wird das Lösungsmittel vom Duftextrakt getrennt, das bei diesem Verfahren oftmals eine wachsartige Konsistenz erhält. Das sogenannte Essence Concrète kann in parfümierten Seifen verwendet werden oder mithilfe von Alkohol und Hitze wieder verflüssigt werden, um den reinen Duftstoff zu erhalten. Die auf diese Weise gewonnenen Essenzen nennt man Absolues.

Enfleurage

Enfleurage

Die Enfleurage ist eines der ältesten Verfahren zur Duftstoffgewinnung und wurde bis ins 19. Jahrhundert perfektioniert. Bei dieser Methode werden Blüten mithilfe von Fetten ihre Duftstoffe entzogen. Besonders gut eignen sich geruchloses Rinder- oder Schweineschmalz. Es gibt zwei Arten der Enfleurage, die sich anhand der notwendigen Temperatur unterscheiden:

  • Bei der Enfleurage à froid wird eine Glasplatte mit Fett bestrichen und anschließend frische Blüten hineingedrückt. Da sich das Fett auf Zimmertemperatur befindet, nennt man dieses Verfahren „kalte“ Enfleurage. Die ätherischen Öle aus den Blüten ziehen ins Fett ein und werden dort gebunden. Nach einigen Tagen werden die Blüten ausgetauscht und der Vorgang so lange wiederholt, bis das Fett keine Duftstoffe mehr aufnehmen kann. Dies kann mehrere Monate dauern. D das Verfahren sehr sanft ist, eignet es sich auch zur Verarbeitung empfindlicher Blüten wie Jasmin, Veilchen oder Tuberose.
  • Die Enfleurage à chaud wird auch Mazeration genannt und ist deutlich zeitsparender als die Enfleurage à froid. Bei dieser Methode wird das Fett erwärmt und mit den ausgesuchten Blüten vermengt. Danach wird es auf 60 Grad Celsius erhitzt, um den Blüten möglichst schnell ihre Duftstoffe zu entziehen. Auch bei der „heißen“ Enfleurage werden die Blüten mehrmals ausgetauscht, bis das Fett mit ätherischen Ölen gesättigt ist.

Das duftende Fett kann als Pomade verkauft oder als Salbenbestandteil verwendet werden. Mit Alkohol werden die Duftessenzen aus dem Fett gelöst und für die Parfümkreation verwendet. Das aufwändige und kostspielige Verfahren wird in der modernen Parfümherstellung kaum noch angewandt, doch noch immer gibt es in der Dufthauptstadt Grasse einige traditionelle Parfümerien, welche die Enfleurage verwenden und dadurch kostbare Duftessenzen gewinnen.

Synthese

Synthese

In der modernen Parfümerie werden immer mehr Duftnoten synthetisch gewonnen. Gründe dafür sind der steigende Bedarf – und damit Preis – vieler Duftstoffe sowie Artenschutzgesetze, die Auswirkungen auf tierische Duftstoffe haben. Zibet, Moschus und Bibergeil dürfen in vielen Ländern nur noch künstlich hergestellt werden. Bei der Synthese werden Duftessenzen im Labor möglichst exakt nachgebildet. Dabei helfen ein Gas-Chromatograph oder ein Massenspektrometer, mit denen die einzelnen Duftbausteine auf molekularer Ebene analysiert werden und damit den Chemikern eine Art Schablone zur Verfügung stellen, um den Duft naturidentisch zu synthetisieren.
Diese Methode der Duftstoffgewinnung ermöglicht nicht nur die Rekonstruktion natürlicher Essenzen. Mithilfe der Synthese können auch völlig neue Duftnoten entwickelt werden, die für andere Verfahren nicht geeignet wären, zum Beispiel Gourmandnoten oder Aqua. Die Synthese bietet somit eine unvergleichliche Vielfalt und unbegrenzte Möglichkeiten der Parfümkreation. Ein weiterer Vorteil synthetischer Duftstoffe ist ihr gleichbleibendes Aroma. Im Gegensatz zu Pflanzen ist ihre Duftintensität keinen Schwankungen je nach Tageszeit und Wetterlage unterworfen. Dadurch erhalten Sie immer nur Duftessenzen in bester Qualität.