Wie Düfte unsere Emotionen beeinflussen

Sie nehmen einen Geruch wahr und erinnern sich plötzlich an ein Ereignis aus Ihrer Kindheit, als wäre es gestern gewesen? Düfte besitzen die erstaunliche Fähigkeit, direkt an unsere Gefühle und Erfahrungen zu appellieren – selbst wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind. Seit Jahren versuchen Forscher herauszufinden, wie Düfte unsere Emotionen beeinflussen. Dieses Wissen ist auch für die Parfümerie von großer Bedeutung. Stellen Sie sich vor, Sie könnten ein Parfüm gestalten, dessen Geruch Sie an eines Ihrer schönsten Erlebnisse erinnert. Das volle Potential der Duftherstellung ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Parfüm riechen

Düfte stimulieren unser Gehirn

Unsere olfaktorische Wahrnehmung ist eng mit unseren Emotionen und Erinnerungen verbunden. Wenn wir einen Geruch wahrnehmen, leitet unser Geruchssinn das empfangene Duftbild ans limbische System weiter. Dieser uralte Teil unseres Gehirns ist für die Verarbeitung von Gefühlen und Erfahrungen zuständig und löst bei vertrauten Düften eine emotionale Reaktion aus. Diese kann positiv oder negativ ausfallen – je nachdem, mit welcher Art von Erinnerung der Geruch in unserem Gedächtnis verknüpft ist. Wir müssen uns dieser Erinnerungen nicht einmal bewusst sein, um die zugehörigen Emotionen zu empfinden. Auch abstrakte Düfte, die sich nur schwer zuordnen lassen, werden vom limbischen System auf diese Weise verarbeitet. Sexuelle Lockstoffe – sogenannte Pheromone – besitzen eine aphrodisierende Wirkung und können sogar darüber entscheiden, ob wir einen anderen Menschen attraktiv finden.
Die Verknüpfung von olfaktorischen Sinneseindrücken und starken Emotionen sicherte das Überleben unserer Vorfahren und kann noch immer unseren Lernprozess unterstützen. Studien belegen, dass wir Informationen schneller im Gedächtnis abspeichern, wenn wir sie beim Lernen mit Gerüchen verbinden. Stellen Sie sich bei der Vorbereitung eines Vortrags einen Flakon mit ätherischem Öl zur Seite und riechen Sie später am gleichen Duft, um sich leichter an das Erlernte zu erinnern. Es genügt dabei vollkommen, den Duft während der Vorbereitungen etwa einmal pro Stunde für kurze Zeit auf sich wirken zu lassen. Duftessenzen der zitrischen Duftfamilie wie Bergamotte, Zitrone, Mandarine oder Grapefruit sind besonders gut geeignet. Sie verbessern die Konzentration und mindern Angstgefühle.

Aromatherapie

Parfüm weckt unsere Erinnerungen

Düfte können uns an längst vergessene Ereignisse erinnern und mit einem Schlag in eine andere Zeit versetzen. Die emotionale Reaktion kann uns sogar zu Tränen rühren. Erinnerungen, die mit Düften gekoppelt sind, bleiben uns am längsten im Gedächtnis. Sie können selbst nach Jahrzehnten noch so intensiv erlebt werden, als wären sie gerade erst geschehen. Details aus rein visuellen Erinnerungen beginnen dagegen schon nach wenigen Monaten zu verblassen.
Die enge Verbindung zwischen Duft und Erinnerung macht sich auch die Medizin zunutze. Bei der Behandlung von Demenzpatienten wird immer häufiger Aromatherapie eingesetzt. Ätherische Öle werden zum Parfümieren des Raumes oder eines Kleidungsstücks verwendet und stimulieren mit ihrem Duft das Erinnerungsvermögen der Patienten. Dabei werden Duftnoten ausgewählt, zu denen die Person eine positive emotionale Bindung hat, zum Beispiel die eigenen Lieblingsblumen oder das Parfüm des Partners. Am stärksten ist der Effekt, wenn es sich um echte ätherische Öle handelt. Synthetische Duftstoffe können die Wirkung verfehlen oder sogar ins Gegenteil verkehren. Der vertraute Geruch vermittelt Geborgenheit und kann dem Patienten in jedem Sinne des Wortes zu mehr Selbstsicherheit verhelfen.

Düfte als Entspannungshilfe

Die Aromatherapie ist nicht nur eine wertvolle Gedächtnisstütze, sie kann auch in vielen anderen Lebensbereichen eingesetzt werden. Düfte sind Teil vieler Wellnessbehandlungen und erhöhen im Alltag Ihre Lebensqualität. Duftessenzen in einem Diffusor sorgen für angenehmes Raumklima und haben einen positiven Einfluss auf Körper, Geist und Seele. Duftkerzen, Badezusätze und ätherische Öle mit ausgesuchten Duftstoffen können unseren Herzschlag beruhigen, die Atmung verlangsamen oder sogar unsere Verdauung anregen. Das richtige Parfüm kann somit Stressgefühle mindern, Ängste lindern, Ihre Stimmung aufhellen und Sie wieder ins innere Gleichgewicht bringen. Wenn Sie Ihr eigenes Parfüm gestalten, wählen Sie Duftnoten, die bei Ihnen für gute Laune und Ausgeglichenheit sorgen. Gut geeignete Duftessenzen sind Bergamotte, Geranie, Jasmin, Lavendel oder Sandelholz.
Die entspannende Wirkung von Düften spielt auch in der Parfümerie und Kosmetikherstellung eine wichtige Rolle. Stress kann Hautunreinheiten begünstigen und zu vorzeitiger Hautalterung führen. Stressreduzierende Aromen als Bestandteil von Parfüm, Seife, Lotion oder Hautcreme wirken dem entgegen und lassen Sie jünger und erholter aussehen. Parfümeure arbeiten daher an immer neuen Möglichkeiten, Kosmetikprodukte mithilfe von Düften zu verbessern, damit Sie sich trotz des stressigen Alltags immer wohlfühlen und die schönen Seiten des Lebens genießen können.

Raumduft

Parfüm beeinflusst unser Verhalten

Gerüche unterhalb unserer bewussten Wahrnehmungsschwelle werden von unserem Verstand oft ignoriert. Die subtilen Duftinformationen werden von unserem Geruchssinn trotzdem ans limbische System weitergeleitet und appellieren an unsere Gefühle. Olfaktorische Sinneseindrücke können sich sogar auf unser Handeln auswirken. Bewusste Entscheidungen werden immer von unserem Verstand getroffen, mithilfe dezenter Düfte können diese Entscheidungen aber in gewissem Maß beeinflusst werden. Ein fast alltägliches Beispiel dafür ist unser Kaufverhalten.
Schon lange werden in Kaufhäusern Düfte wie Vanille gezielt eingesetzt, um die Emotionen von Kunden positiv zu beeinflussen – nicht nur in der Parfümabteilung. Über das Lüftungssystem gelangen mit der frischen Luft auch subtile Duftstoffe in die Verkaufsräume. Der angenehme Geruch von Vanille vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit und sorgt für die Ausschüttung von Glückshormonen wie Serotonin und Dopamin. Dadurch fühlen wir uns in einem Geschäft wohl, halten uns gerne dort auf und sind eher bereit, uns etwas zu kaufen. Dies bedeutet nicht, dass uns die Duftwirkung die Kaufentscheidung abnimmt. Duftmarketing könnte in Zukunft jedoch deutlich wichtiger werden als bisher. Auch Fitnessstudios könnten von der belebenden Wirkung bestimmter Duftessenzen profitieren.