Düfte der Welt

Duft und Parfüm waren für den Menschen schon immer von großer Bedeutung und prägen unsere Geschichte. In vielen alten Hochkulturen gibt es Belege für die Verwendung von Duftstoffen als Opfergabe, Raumduft und Luxusgut zur Körperpflege. An vielen Orten der Welt entwickelten sich unterschiedliche Duftkulturen, deren Rohstoffe und Traditionen sich im Lauf der Jahrhunderte durch Handel und Eroberungen verbreiteten. Trotz seiner Flüchtigkeit verbindet Parfüm als Kulturgut Völker auf der ganzen Welt. Erfahren Sie mehr über die einzelnen Duftregionen der Erde und den Ursprung unserer beliebten Duftessenzen!

Lavendel und Orangenbäume: Düfte aus Europa

Duftregion Europa

Die Duftkultur in Europa beginnt etwa 7 Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung. Aus dem Orient wurden Weihrauch und Myrrhe nach Griechenland gebracht und verbreiteten sich von dort bis nach Rom. Die Römer nutzten das Räucherwerk als Raumduft und verwendeten ebenfalls wohlriechende Blütenöle wie Rosenöl als Parfüm Badezusatz sowie duftende Salben zur Körperpflege. Dies legte den Grundstein der Parfümerie in Europa.
Jahrhundertelang war Parfüm ein Statussymbol der Reichen und Mächtigen, bis es durch die Kirche in Verruf geriet und dadurch lange Zeit fast vollkommen aus Europa verschwand. Abermals waren es Duftstoffe aus dem Orient, die das europäische Interesse an Parfüm weckten. Im 16. Jahrhundert begann in Frankreich ein Goldenes Zeitalter der Parfümerie. Die Provence bot ideale Bedingungen für den Anbau von Duftpflanzen wie Mairose, Lavendel, Tuberose und Orangenbäumen, aus denen Neroli und Petitgrain gewonnen wird. Grasse wurde zur Welthauptstadt der Düfte und revolutionierte die Parfümherstellung. Dennoch blieb Parfüm ein Luxusgut und wurde hauptsächlich zum Kaschieren übler Gerüche genutzt.
Im Jahr 1709 lancierte der italienische Parfümeur Giovanni Maria Farina das weltberühmte Kölnisch Wasser sorgte für eine Trendwende in Europa. Die Duftkreation aus Zeder, Rosmarin und zitrischen Duftnoten war auch für den Mittelstand erschwinglich und erhöhte die Nachfrage nach frischen, leichten Parfümkreationen. Auch das legendäre Chanel N° 5 stammt aus der Duftregion Europa und war das erste Parfüm, das vollständig aus synthetischen Duftessenzen hergestellt wurde. Seitdem bestimmen vor allem Modedesigner die neuesten Trends in der Parfümwelt.

Patschuli und Lotusblüte: Düfte aus Asien

Duftregion Asien

Schon vor 7.000 Jahren wurden in China ätherische Öle zum Aromatisieren von Speisen und Getränken verwendet. Die chinesische Teekultur ist sogar die älteste weltweit. Mit ihr verbreiteten sich die lieblichen Noten von Grünem Tee und Jasmin erst in Japan, dann im Rest der Welt. Die kostbare Lotusblüte ist eines der wichtigsten Symbole im Buddhismus. Es gehört bis heute zum Ritus, in buddhistischen und taoistischen Tempeln Räucherwerk zu verbrennen, das nach Myrrhe und anderen Harzen duftet. Parfüm wird dagegen in vielen Teilen Chinas sparsam verwendet und dezente, leichte Düfte bevorzugt. Anders als in Europa war in Ostasien regelmäßiges Waschen ein wichtiger Teil der Hygiene, daher war das Parfümieren des eigenen Körpers lange Zeit unüblich.
Die japanische Räucherkultur reicht mindestens 1.500 Jahre zurück. Duftendes Räucherwerk gibt es in zahlreichen Formen – darunter Stäbchen, Kegel und Kugeln – und besteht aus den Essenzen von Kräutern, Hölzern und Gewürzen. Es wird zu besonderen Gelegenheiten verbrannt oder als Raumduft verwendet und ist eng mit der japanischen Kultur verwoben. Bis heute sind die Koh-shi, die „Meister der Düfte“ der Insel Awaji einer der wichtigsten Hersteller traditioneller Räucherstäbchen.
Indien ist eine der duftreichsten Regionen der Erde und besitzt ebenfalls eine jahrtausendealte Parfümkultur. Patschuli, Curry, Sesam und Ingwer sind einige der typischen Duftnoten aus Indien. Duftstoffe gehören zur täglichen Pflege oder werden sogar als Medizin genutzt. Die ganzheitliche Lehre des Ayurveda verwendet ätherische Essenzen zur Aromatherapie und Massage. Das Kamasutra gibt Hinweise auf die pflegende Wirkung bestimmter Öle und beschreibt, wie aphrodisierende Düfte das Liebesspiel verbessern können.

Myrrhe und Zeder: Düfte des Orients

Duftregion Orient

Der Orient gilt als die Wiege der Duftkultur. Bis heute sind orientalische Parfüms aufgrund ihrer exotischen Duftakkorde eines der beliebtesten Duftkonzepte. Bereits in der Bibel gibt es Hinweise auf die Verwendung von Räucherwerk, Salben und Duftölen als kostbares Geschenk oder religiöse Opfergabe. Weihrauch und Myrrhe, Zedernholz und Olivenöl sind immer wiederkehrende Duftstoffe. Über die Handelsstraßen des Orients und die späteren Kreuzzüge verbreitete sich die Parfümtradition nach Europa und Afrika. Ein besonders wertvolles Gut war der Weihrauch, der über die Weihrauchstraße – der ältesten Handelsroute der Welt – aus dem Oman bis ans Mittelmeer transportiert wurde. Selbst Duftstoffe aus dem Fernen Osten gelangten auf diesem Weg in andere Kontinente.
Parfümierte Salben und Öle waren nicht nur religiösen oder rituellen Zwecken vorbehalten, sondern dienten auch dem eigenen Wohlgeruch. Reich verzierte Duftlampen wurden mit Öl und brennenden Kerzen oder Räucherwerk gefüllt, damit sich ihr Aroma im Raum verbreitete. Der Destillierkolben, ohne den die Kunst der Parfümherstellung nicht möglich gewesen wäre, wurde vor über 2.000 Jahren von den Arabern und Persern erfunden. Etwa ein Jahrtausend später stellte ein iranischer Arzt zum ersten Mal Rosenwasser her und bereicherte damit die Parfümwelt durch umso vielfältigere Duftessenzen. Orientalische Düfte beflügeln unsere Sinne und lassen uns von weit entfernten Orten träumen. Bis heute hat die Duftkultur des Orients nichts von ihrem Zauber verloren.

Weihrauch und Wusulan: Düfte aus Afrika

Duftregion Afrika

In der Duftregion Afrika liegen die Wurzeln der Parfümkultur im alten Ägypten. Die frühesten Aufzeichnungen über die Parfümherstellung sind über 9.000 Jahre alt. Damals wurden duftende Salben und ätherische Öle zur Balsamierung der verstorbenen Pharaonen verwendet und waren ebenfalls kostbare Grabbeigaben. In den ägyptischen Tempeln wurde Räucherwerk für die Götter verbrannt. Aus dem lateinischen Ausdruck per fumum – „durch den Rauch“ – entwickelte sich unser Begriff Parfüm.
Die Pharaonin Hatschepsut sorgte für einen Wandel in der ägyptischen Duftkultur. Parfüm war nicht länger den Toten und Priestern vorbehalten, sondern wurde von den Herrschern Ägyptens zur Pflege von Körper, Geist und Seele verwendet. Bei besonderen Anlässen wurden parfümierte Fettkügelchen im Haar verteilt, die durch die Körperwärme schmolzen und so ihren Duft verbreiteten. Die Herstellung der begehrten Duftmischungen lag weiterhin in der Hand der Priester. Besonders beliebt war der kostbare Weihrauch, aber auch Lilien, Zedernholz und Gewürze wurden verwendet. Freesie und Melone haben ihren Ursprung ebenfalls in Afrika.< br/>
In Westafrika ist die Herstellung von Räuchermischungen namens Wusulan eine alte Familientradition. Rezepte werden von der Mutter an die Tochter weitergegeben und unterscheiden sich von Haus zu Haus. Das Räucherwerk besteht aus Wurzeln, Harzen, Hölzern und Gewürzen. Es dient als Raumduft, hält Ungeziefer fern und verleiht Kleidung einen angenehmen Duft. Einige Mischungen sollen ebenfalls eine stimulierende Duftwirkung besitzen und dadurch das Heim mit Glück und Liebe erfüllen.

Kakao und Orchidee: Düfte aus Südamerika

Duftregion Südamerika

Die Duftregion Südamerika wird oft vergessen, dabei ist sie der Ursprung einiger unserer beliebtesten Duftnoten. Kakao- und Kaffeebohnen wurden erstmals in Südamerika angebaut. In den tropischen Regenwäldern wachsen duftende Orchideen, zu der auch die beliebte Gewürzvanille gehört. Auch die Tonkabohne hat ihre Wurzeln im wahrsten Sinne in Südamerika. Tolubalsam, ein wichtiger Fixateur der Parfümindustrie, wird aus dem Harz des Balsambaums gewonnen, der vor allem in Kolumbien wächst. Guajakholz liefert ein ätherisches Öl mit süßlich-rauchigem Aroma, das an Rose erinnert und eine aphrodisierende Wirkung haben soll. Auch Tabak wurde erstmals in Mittel- und Südamerika angebaut.
Im Gegensatz zu Europa, Asien und Afrika war der südamerikanische Kontinent jahrhundertelang größtenteils isoliert. Dadurch konnten sich die Völker der Mayas und Azteken nahezu ungestört entfalten. Dies änderte sich jedoch im 16. Jahrhundert, als spanische Entdecker die Region eroberten und für den Untergang der beiden Hochkulturen sorgten. Die Schätze der neuen Welt brachten sie in ihre Heimat: Gold und Bodenschätze, aber auch kostbare Pflanzen und Gewürze.
Die Handelsrouten der Mayas und Azteken reichten bis nach Nordamerika. Kakaobohnen dienten gleichermaßen als Währung, Duftstoff und Aphrodisiakum. Sie galten als Göttergeschenk und wurden von Schamanen zusammen mit anderem Räucherwerk für regelmäßige Rituale genutzt. Doch auch unser beliebtes Heißgetränk Kakao gab es schon zur Zeit der Azteken und wurde mit Vanille verfeinert. Heute ist eine Welt ohne die südamerikanischen Duftschätze kaum vorstellbar. Kakao, Kaffee und Tabak sind feste Bestandteile unseres täglichen Lebens. Ohne Vanille hätte es die Duftfamilie der Gourmandnoten und unwiderstehliche Parfümkreationen wie Chanel N° 5 vielleicht nie gegeben.