Die Sprache des Parfüms

Um die Kunst der Parfümherstellung wirklich verstehen zu können, muss man die Sprache des Parfüms verstehen. Schon früh hat sich in der Parfümerie eine eigene Fachsprache etabliert, die sich im Lauf der Jahrhunderte kaum veränderte und auch heute noch verwendet wird. Erfahren Sie an dieser Stelle mehr über Fachausdrücke und Konzepte aus dem Reich der Düfte!

Die Noten eines Parfüms

Parfümnoten

Wenn man von den Noten eines Parfüms spricht, sind damit nicht nur die einzelnen Duftnoten gemeint, aus denen sich eine Parfümkreation zusammensetzt. Jeder Duft besteht aus den sogenannten Kopfnoten, Herznoten und Basisnoten. Diese drei Duftakkorde bestimmen das Duftbild eines Parfüms und sind den meisten Parfümliebhabern als Fachbegriffe vertraut. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Haltbarkeit und Duftintensität. Kopfnoten sind flüchtig und werden sofort wahrgenommen. Ihr Duft verschwindet aber schon nach kurzer Zeit wieder. Zitrusdüfte und andere frische Noten sind für die Spitze eines Parfüms besonders gut geeignet.
Den Kopfnoten folgen die Herznoten, deren Aroma sich erst nach einigen Minuten entfaltet. Ihr Duft hält bis zu drei Stunden an und hat im ersten Zeitraum nach dem Parfüm Auftragen die intensivste Wirkung. Herznoten sollen die Kopf- und Basisnoten harmonisch verbinden und haben oftmals einen blumigen Charakter. Blumige Noten wie Rose und Jasmin bilden die älteste Duftfamilie, doch auch würzige und fruchtige Duftessenzen sind im Herzen zu finden.
Die Basisnoten – auch Fond genannt – treten nach dem Verklingen der Herznoten in den Vordergrund und können Ihrer Haut mehrere Tage anhaften. Im Fond finden sich vor allem schwere und intensive Aromen. Holznoten wie Zeder und Sandelholz, animalische Noten wie Moschus oder orientalische Noten wie Patschuli und Vanille gehören zur Basis vieler Herren- und Damendüfte. Die Abfolge von Kopfnoten, Herznoten und Basisnoten nennt sich Duftablauf. Es ist die Aufgabe eines Parfümeurs, diesen Ablauf stimmig und anziehend zu gestalten, um ein unwiderstehliche Parfümkomposition zu erschaffen.

Haftfestigkeit

Damit Sie an Ihrem Lieblingsduft möglichst lange ihre Freude haben, sollte dieser eine hohe Haftfestigkeit besitzen. Dieser Begriff bezeichnet die Haltbarkeit eines Parfüms auf der Haut. Um die Haftfestigkeit Ihrer Parfümkreation zu erhöhen, kommen sogenannte Fixateure zum Einsatz. Dabei handelt es sich häufig um Riechstoffe mit geringem Eigengeruch, welche die Duftwirkung anderer Parfümessenzen fördern. Besonders beliebte geruchsarme Fixateure sind Resinoide und Aldehyde. Resinoide sind Extrakte aus Baumharzen: Benzoe wird aus dem Harz der tropischen Storaxbäume gewonnen, Tolubalsam aus dem Balsambaum und Labdanum aus der Zistrose. Aldehyde sind eine Abart der Alkohole und eignen sich besonders zum Fixieren von Frucht- und Zitrusnoten.
Es gibt ebenfalls einige Duftessenzen, die fixierende Eigenschaften besitzen:

  • Intensive Rosenöle können die Haltbarkeit eines Parfüms erhöhen.
  • Aus den Wurzeln der Iris lässt sich ein Fixateur gewinnen.
  • Tierische Duftstoffe wie Moschus, Ambra, Zibet und Bibergeil besitzen durch ihre ursprüngliche Verwendung zur Reviermarkierung eine fixierende Wirkung.
  • Das süßlich-erdige Patschuli hat einen intensiven und schwerflüchtigen Duft, der vor allem in Räucherstäbchen und orientalischen Parfümkreationen verwendet wird.
  • Die unaufdringliche Vanille ebnet als Parfümessenz den Weg für ein langanhaltendes Dufterlebnis.
  • Das Süßgras Vetiver stammt aus Asien und besitzt einen maskulinen Duftcharakter, daher ist es ein beliebter Fixateur in Herrendüften.

Diese Fixateure finden sich überwiegend in der Basisnote eines Parfüms, aber auch in der Herznote.

Ordnungssysteme

Parfümkategorien

In der Parfümerie werden alle Düfte in bestimmte Kategorien eingeteilt. Diese Gliederung hilft bei der Beschreibung und Bestimmung von Parfümkreationen. Allerdings sind die Übergänge in einigen Fällen fließend und verschiedene Parfümeure können unterschiedliche Ordnungssysteme verwenden. Das bekannteste Beispiel sind die einzelnen Duftfamilien, in die alle bekannten Duftnoten einsortiert werden. Vollendete Parfümkompositionen besitzen eigene Kategorien, sogenannte Genealogien. Die Düfte werden wie in einem Stammbaum nach ausgewählten Kriterien aufgeteilt. Auf der obersten Ebene wird zwischen Damenparfüms und Herrenparfüms unterschieden. Die immer beliebter werdenden Unisex-Düfte schlagen eine Brücke zwischen den beiden Kategorien.
Auf der nächsten Ebene finden sich jeweils drei Duftkonzepte. Die meisten Damendüfte folgen den Konzepten Blumig, Orientalisch und Chypre. Blumige Düfte mit Rose, Tuberose, Jasmin und Ylang-Ylang bilden den Löwenanteil der Frauenparfüms. Orientalische Düfte riechen sinnlich und warm nach Moschus, Ambra, Vanille, Zimt oder Muskat und erinnern an das Aroma eines arabischen Basars. Die Kategorie Chypre entstammt einem gleichnamigen Duft, der vom Parfümeur François Coty zu Beginn des 20. Jahrhunderts kreiert wurde. Parfüms, die seinem Beispiel folgen, enthalten einen Duftakkord aus zitrischen Noten, Patschuli und Eichenmoos.
Orientalische und Chypre-Düfte finden sich auch bei den Männerparfüms. Während sich orientalische Herrendüfte in ihren Basiszutaten kaum von ihren femininen Pendants unterscheiden, werden maskuline Chypre-Düften durch Holz- und Ledernoten unterstützt. Hinzu kommt eine dritte Kategorie namens Fougère, abgeleitet vom französischen Wort für Farn. Auch dieses Duftkonzept wurde nach dem Parfüm Fougère Royale benannt, das 1882 lanciert wurde und nach Eichenmoos, Lavendel und Cumarin duftet.
Auf einer dritten Ebene lassen sich die Duftkonzepte noch feiner in weitere Variationen untergliedern. Dadurch können professionelle Parfümeure bis zu 13 weibliche und bis zu neun männliche Duftkonzepte unterscheiden.